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Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Hanshagen erfolgte durch Wartislaw III. als Johanneshaghen im Jahre 1248. Es war wohl Graf Johann I. von Gützkow, der dem Ort seinen Namen gab. Zu dieser Zeit gehörten zwei Hufen dem Kloster Eldena, der übrige Teil dem Grafen. Sie verpfändeten nach und nach die Höfe in Hanshagen an Greifswalder Bürger z. B. an die Familie Lübeck. Diese verkaufte ihren Besitz 1492 an das Kloster Krummin auf Usedom. Das Kloster verpachtete Dorf und Mühle an die Familie Dreyer. Mit der Säkularisierung des Klosters 1534 wurde Hanshagen Dominal.

 

1524 erhielt die Gemeinde die Genehmigung zum Bau einer Wassermühle. 1634 gab Herzog Bogislaw XIV. das Dorf an die Universität Greifswald. Hatte 1767 Hanshagen noch 126 Einwohner, so stieg diese Einwohnerzahl 1865 auf 856. Das Dorf hatte eine Kirche, zwei Schulen, 51 Wohngebäude, sechs Fabrikgebäude (zur Mühle) sowie 125 Wirtschaftsgebäude. 1648–1815 gehörte es zu Schwedisch-Pommern, danach zur preußischen Provinz Pommern. 1855 konnten die Büdner von der Universität in Greifswald je einen Morgen Ackerland Hanshagen bestand über lange Zeit aus drei Teilbereichen, die aber nie als Ortsteile registriert waren. Das waren das Kirchdorf Hanshagen, das gesondert liegende Gut Hanshagen an der Fernstraße und der Ort Fliederberg. Das Gut besaßen u.a. die Familien von Moltke, von Oertzen, von Plessen und Joachim Christian von Müller, Warnke und bis 1945 von Storch.


Der Ausbau Fliederberg entstand 1800 durch Ansiedlung von Staatsforstarbeitern, Handwerkern usw., dadurch waren dort 14 Büdner ansässig. Bereits im Preußischen Urmeßtischblatt von 1835 wurde der Ort Fliederberg als gerade langgestreckte Häuserzeile gezeichnet. Auch in den Karten von 1880 und 1920 wird Fliederberg noch als eigenständiger Ort gekennzeichnet. Bekannt war und ist dieser Teil Hanshagens durch seine mittelalterliche Wassermühle Hanshagen, die nach einer aufwendigen Restaurierung ein Hotel, eine Gaststätte, einen Hofladen sowie die besagte Mühle mit Mühlbach und Stauteich beinhaltet. Im 21. Jahrhundert ist der frühere Ort Fliederberg mit dem Kirchdorf zur Gemeinde Hanshagen zusammengewachsen. Der Name existiert nur noch als Straßenname.


Von 1897 bis 1945 tangierte die Kleinbahn Greifswald–Wolgast (KGW) den Ort. Während des Zweiten Weltkrieges mussten Frauen und Männer aus Polen und der Sowjetunion Zwangsarbeit im Ort verrichten. Auch ein Kriegsgefangenenlager existierte in der Nähe des Ortes. Eine kleine Widerstandsgruppe, bestehend aus Johann Pilarski und seinem Bruder sowie Ernst Boberg, versorgte die Zwangsarbeiter und Gefangenen heimlich mit Nachrichten über den Frontverlauf. Als sich die 2. Belorussische Front dem Ort näherte, brachten Pilarski und seine Freunde weiße Fahnen am Kirchturm und den Lichtmasten an und verhinderten so die gewaltsame Einnahme des Ortes. Seit 1952 gehörte der Ort zum Bezirk Rostock und seit 1990 zum Land Mecklenburg-Vorpommern.

 

1953 gründete sich eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), der sich im Jahr 1960 alle Bauern angeschlossen hatten. Dennoch ging die Produktion landwirtschaftlicher Güter zurück und kam im Jahr 1972 praktisch zum Erliegen. In den Jahren 1971 bis 1980 errichtete die Gemeinde insgesamt drei Wohnblöcke, die heute zur Verwaltungs- und Wohnungsbau GmbH-Hanshagen gehören. 1973 erhielt die Gemeinde nach und nach eine zentrale Trinkwasserversorgung. Ab 1992 trat Hanshagen als nunmehr „amtsangehörige Gemeinde“ der Verwaltungsgemeinschaft „Amt Lubmin“ bei. Im selben Jahr wurde ein Bebauungsgebiet „An der Heithörn“ für 32 Eigenheime geplant, erschlossen und innerhalb von 4 Jahren bebaut. Die 1994 fertig gestellte zentrale Abwasserentsorgung mit eigener Kläranlage, wurde in den zwischenzeitlich gegründeten Zweckverband Wasser/ Abwasser Lubmin eingebracht.

 

Heute ist die Abwasserentsorgung über eine Druckleitung mit der Kläranlage Lubmin verbunden und wird durch den Zweckverband Wasser/ Abwasser Boddenküste (ZWAB-Diedrichshagen), Rechtsnachfolger des ZVWA-Lubmin, betrieben. Bis zum 02.10.1990 gab es in Hanshagen eine einzügige Polytechnische Oberschule „Ernst Thälmann“ mit 10 Klassen, die bis 1992 als Grund,- Haupt- und Realschule Hanshagen und anschließend als Grundschule weiter betrieben wurde. Zwei Wochen nach Beginn des Schuljahres 1999/2000 wurde die Grundschule geschlossen, weil die Sollschülerzahl nicht erreicht wurde. Heute ist die zuständige staatliche Grundschule „Fritz Reuter“ im Nachbarort Kemnitz. Für die Orientierungsstufe und weiter ist die Regionale Schule "Am Teufelstein" Lubmin als staatliche Schule vorgesehen und ab Klasse 7 bis zum Abitur das Schlossgymnasium Gützkow.

 

Diese zerklüftete Schullandschaft führt dazu, dass viele Eltern, die es sich leisten können, ihre Kinder ab der 5. Klasse nach Greifswald in Privatschulen schicken. 2000  konnte ein Investor gefunden werden, der das größte Gebäude des ehemalige Schulkomplexes im Zentrum von der Gemeinde kaufte, das Erdgeschoss mit einem Hallenanbau als Feuerwehrhaus und das Ober – und Dachgeschoss zu Wohnungen umbaute. Ab 2002 konnte die Freiwillige Feuerwehr dann das nunmehr von der Gemeinde gemietete Domizil beziehen. Damit entging das Haus dem Schicksal, als Ruine mit zerschlagenen Fenstern vor sich hin zu dümpeln, wie es leider vielerorts zu sehen ist. Das alte Feuerwehrhaus, beherbergt jetzt die Gemeindetechnik. Am Pfingsmontag, dem Deutschen Mühlentag, 2012 wurde im Beisein des Ministerpräsidenten, Erwin Sellering und der Landrätin, Barbara Syrbe die aufwendig restaurierte Wassermühle mit dem neuen Nebengebäude eingeweiht.

 

Damit ist das vom Verfall bedrohte Wahrzeichen der Gemeinde nicht nur einfach gerettet, sondern es ist mit dem Restaurant und den 11 Hotelzimmern ein über die Region hinauswirkendes touristisches Ziel entstanden. Die eigentliche Mühle als technisches Denkmal, bietet jährlich zu Pfingsten einen reizvollen Rahmen für die „Hanshäger Kunstausstellung“. 2015 gelang es ein weiteres historisch bedeutsames Gebäude zu retten und es einer nachhaltigen Nutzung zuzuführen, das alte „Pfarrhaus“ mit seinem wunderschönen Pfarrgarten wir jetzt durch die Diakonie Pflegedienst GmbH als Seniorenresidenz betrieben. Die Tatsache, dass die Residenz von Anfang an ausgelastet ist und eine Warteliste einrichten werden musste, zeigt, wie sinnvoll dieses Konzept ist. Ende 2015 verkaufte die Gemeinde das kleinere von den beiden gegenüberliegenden ehemaligen Schulgebäuden. Hier sind schöne Wohnungen entstanden und es ist damit gelungen, einen weiteren Schritt für die nachhaltige Sanierung des Ortszentrums zu tun.